Projektbericht: 50 Millionen Flüchtlinge 50 Millionen Schicksale

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Die Thematik der Flucht ist in Frankfurt in aller Munde. Teils sehr positiv, teils sehr von Vorurteilen geprägt. Diese Vorurteile wollen wir helfen zu beseitigen. Beseitigen, indem wir versuchen Barrieren abzubauen. Barrieren, die aus Angst und Unwissenheit entstehen. Aus diesem Grund haben wir, der Verein “Vielfalt statt Einfalt”, ein Projekt für Schüler aller Klassenstufen entwickelt, in dem wir uns gemeinsam mit dem Thema Flucht auseinandersetzen möchten.

Aus welchen Gründen fliehen Menschen? Wie groß muss die Not sein, sein Heimatland zu verlassen und Frau und Kinder zurück zu lassen? Und was können wir für Geflüchtete tun?

Gemeinsam mit den Schülern der Klasse 6b der Erich-Kästner-Grundschule konnten wir dieses Konzept ausprobieren. Mit der Klassenleiterin Frau Jäger und drei syrischen Geflüchteten haben wir im Rahmen eines Projekttages versucht Antworten auf diese Fragen zu finden.

Nach kurzer Vorstellung unseres Vereins „Vielfalt statt Einfalt – für ein freundliches Frankfurt (Oder)“, der Erläuterung unserer Motivation und unserer Ziele, einer Schilderung über die Herkunft Geflüchteter, sowie einer Darstellung der aktuellen und voraussichtlichen zu erwartenden Asylbewerberzahlen in Frankfurt, machten wir uns zusammen mit den Schülern an die Arbeit.

Sehr schnell wurde deutlich, dass ein großes Interesse an der Thematik besteht, denn es gab bereits viele Fragen und es wurde aktiv von Erlebtem und Gehörtem berichtet. Begriffe wie Asyl und der Ablauf eines Asylverfahrens waren den Schülern nicht fremd.

Mit der Intention bei den Schülern ein Verständnis für die Umstände einer Flucht zu vermitteln, trugen die Schüler gemeinschaftlich Gründe zusammen, welche sie zu einer Flucht zwingen würden. Sie überlegten welche Dinge sie auf diese beschwerliche Reise mitnehmen würden und werteten diese anschließend, unter Begründung ihrer Gedanken und Antworten, aus. Einen kurzen Einblick über das was den Geflüchteten nach der Ankunft in einer der zentralen Erstaufnahmestellen wie in Eisenhüttenstadt erwartet, sowie über das Leben und die Bedingungen in den Gemeinschaftsunterkünften im Land Brandenburg konnten wir anschließend durch einen gezeigten Kurzfilm geben.

Nach einer kurzen Verschnaufpause für die Schüler und auch für uns, freuten wir uns nun endlich unsere bereits mit Spannung erwarteten Freunde Rafid, Yaman und Nazir begrüßen zu dürfen, die den wohl lebendigsten und intensivsten Teil unseres Workshops ausmachten.

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Mit sehr persönlichen Worten und Schilderungen berichteten sie über ihr bisheriges Leben, ihrem beruflichen Werdegang und den Gründen die eine Flucht und somit eine schmerzhafte Trennung von ihren Familien nicht vermeiden ließ. Eindrucksvoll berichteten sie von Erlebnissen aus dem Kriegsgebiet Syrien, der Hoffnung auf Frieden und Freiheit, sowie der Sehnsucht nach ihren Familien und Freunden. Es wurde sehr deutliche, dass die Strapazen, die Entbehrungen und vor allem die Ungewissheit die solch eine Flucht mit sich bringt nur einer Sache dient, nämlich dem Entkommen vor dem eigenen Tode, dem Entkommen vor Korruption und dem Zwang des Töten müssens.

Gemeinsam mit den Schülern zeichneten die drei den Weg aus ihrem Heimatland Syrien nach Deutschland, der teilweise zu Fuß, mit dem Schiff, per Auto mit Schleusern oder auch mit dem Flugzeug genommen wurde, auf einer Karte ein und es wurde mit Spannung verfolgt, welche Hürden hierbei zu nehmen waren. Schnell wurde klar, dass Geflüchtete in der Realität selten so viel mitnehmen können, wie sie nach Meinung der Schüler eigentlich bräuchten und dass die Bedeutung eines Handys zur Kommunikation mit den zurückgelassenen Familienmitgliedern oder ein Familienfoto weit mehr Wert ist, als viele andere im ersten Moment wichtig erscheinende Dinge.

Zusammen wurde weiterhin überlegt, welche Kriterien erfüllt werden müssen, um sich in seiner Umgebung und seinem Land sicher zu fühlen und es wurde deutlich, dass diese Kriterien derzeit in sehr vielen Krisengebieten der Welt nicht erfüllt werden können und somit sehr viele Menschen zu Flucht gezwungen sind.

Auch über ihr derzeitiges Leben in Frankfurt (Oder) wurde berichtet, über die Gegebenheiten und Lebensbedingungen in der Oderlandkaserne, über fehlende Freizeitmöglichkeiten und dem trostlosen Dasein vieler Flüchtlinge, deren Tagesablauf nur vom Essen und Schlafen bestimmt ist, denn aufgrund von Sprachbarrieren kaum die Möglichkeit besteht mit Einheimischen in den Kontakt zu treten. Rafid, ein Ingenieur der Textilindustrie, der neben der deutschen Sprache noch drei weitere Sprachen beherrscht, Yaman, der in Syrien als Finanzkontrolleur in einer Elektrofirma beschäftigt war und Nazir, der als Augenarzt tätig war – alle hegen den Wunsch endlich wieder einer Beschäftigung nachzugehen.

Mit großer Begeisterung gab es anschließend einen kleinen Arabischkurs, in dem die Aussprache von Höflichkeitsfloskeln wie „Guten Tag“, „Mein Name ist…“ und „Auf Wiedersehen“ im arabischen geübt wurde.

Ein sehr offener und freundlicher Umgang zwischen den Schülern und den Geflüchteten zeigte uns einmal mehr, dass es sich lohnt gemeinsam in den Kontakt zu treten und dass es wichtig ist Begegnungen zu schaffen, dass man voneinander profitieren, lernen und vor allem auch jede Menge Spaß haben kann. Wir möchten unterstützen die Scheu vor den “Fremden” zu überwinden, um gemeinsam zu erkennen dass die, die zunächst fremd erscheinen, eigentlich gar nicht anders sind als wir.

Und das Ergebnis:

Hallo Fr. ……………………..,es war ein sehr lehrreicher und schöner Vormittag. Die Kinder fanden ihn ,cooool’ und waren sehr angetan von den drei Gästen. Wir würden uns freuen, wenn auch wir Ihnen bzw. dem Verein Gutes tuen könnten.
Das freut uns dann ja auch.
Speziellen Dank an Steffi und Maika!!!
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